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Die blaueFABRIK ist seit Jahren (genau genommen seit 1991) in und außerhalb der Dresdner Neustadt als Kulturort bekannt. Das Fabrikgebäude selbst ist natürlich viel älter – es wurde vor dem Ersten Weltkrieg als Schokoladenfabrik gebaut. Damals – nach der auf die Gründung des Kaiserreiches folgenden Jahrzehnte – erlebte auch Dresden, wie viele andere Städte, eine Zeit schnellen Bevölkerungs- und Wirtschaftswachstum. In der bis dahin eher wenig bebauten Äußeren Neustadt entstanden viele der noch heute erhaltenen Wohnhäuser und auf deren Hinterhöfen viele Handwerks- und Industriebetriebe. Die blaueFABRIK ist eine der wenigen noch erhaltenen Hinterhof-Industriebauten aus dieser Zeit.
Im Zweiten Weltkrieg war Schokolade ein Luxus, den sich kaum Jemand leisten konnte und so wurde aus der Schokoladenfabrik eine Wäscherei, die bis in die 1970er Jahre bestand. Als dann auch in der DDR immer mehr Haushalte eine eigene Waschmaschine hatten, wurde die Wäscherei kurzerhand als Modellbauwerkstatt an die GST (Gesellschaft für Sport und Technik) vermietet, die bis in die Wendezeit bestand.

1991 wurde der Ort einer künstlerischen Nutzung als Genre-übergreifenden Ausstellungsort zugeführt. Seitdem hat die blaueFABRIK eine ständige Weiterentwicklung erfahren, während der inhaltliche Grundansatz: ein Genre-übergreifender künstlerischer Experimentierraum beibehalten wurde.

Mit der Gründung des blueLAB und der Beteiligung von Musikern, Komponisten und TänzerInnen vollzog sich ein Wandel immer mehr hin zu darstellenden Kunstprojekten. Mehr und mehr wurde der ehemalige Galerieraum ein Studio für Proben- und Trainingssituationen, in welchem die vielfältigen Potenziale alter und neuer Vereinsmitglieder gebündelt wurden. Verschiedene Gemeinschaftsprojekte der Künstler des Vereins zusammen mit Gästen, wie z.B. Konzertreihen, Improvisationsveranstaltungen und interaktive Performances entstanden seitdem.

Seit 2008 versucht der Trägerverein den Ort einerseits mit qualitativ hochwertigen zeitgenössischen Kulturveranstaltungen (neuer Tanz, Medienkunst, Performances, Konzerte) mehr zu beleben, andererseits die Räumlichkeiten für die kulturellen Interessen der Stadtteilbewohner zugänglich zu machen (offene Bühne Dresden, private Improvisationsgruppen, Tanzfeste, selbst organisierte Konzerte, Möglichkeit privater Feiern etc.).
Seit 2009 ist die blaueFABRIK vom Verkauf bedroht und im Januar 2010 wurde das Grundstück über eine große Immobiliengesellschaft am Markt plaziert. Um den Erhalt dieses einzigartigen und an Potential reichen Kulturortes zu ermöglichen und eine 08/15-Bebauung des Areals an den Interessen des Stadtteils vorbei zu verhindern, konnte die Künstlervereinigung das renommierte und auf Kulturprojektentwicklung spezialisierte Architekturbüro Ruairi O’Brien als Projektentwicklungs-Partner gewinnen.

Die Vision: das alte Fabrikgebäude als Industriedenkmal behutsam sanieren, ggf. mit anspruchsvollen Anbauten versehen und als Kulturort zu erhalten. Zur Straßenseite könnte ein architektonisch anspruchsvoller Neubau mit gewerblicher Nutzung (Wohnungen, Laden, Büro etc.) entstehen und das kulturelle Bauvorhaben mitfinanzieren. Dabei sollen sowohl die „zeitgenössische Hochkultur“ als auch Belange des Stadtteils und potentieller Investoren in der Projekterstellung berücksichtigt werden. Auf dem Gelände der „Fabrik“ (Hinterhof) könnten neben bereits bestehenden Ateliers und Werkstätten, weitere Ateliers/Proberäume, eine freie Galerie, ein Tanzstudio, eine freie Behindertenwerkstatt, mehrere Veranstaltungsräume, preisgünstige Büroräume für Dresdner Kulturvereine, ein multifunktionaler Veranstaltungspavillon, ..., entstehen.

Das Areal bietet die einmalige Gelegenheit Wohnen und Kultur, Stadtteilgeschichte und Moderne, Investment und Nachhaltigkeit in einem interessanten architektonischen Projekt miteinander zu verbinden. Denn die blaueFABRIK ist auch eine der letzten im Viertel erhalten geblieben Hinterhof-Industrieanlagen, ein Stück anschaubarer Stadtteilgeschichte. Das Kulturamt und das Stadtplanungsamt haben bereits grundsätzliches Interesse an der vom Architekten vorgelegten Projektidee signalisiert.

Broschüre

 
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